Interview mit Dr. Philipp Berger - Country Manager Amazon Alexa Deutscher Humor und Recyclingtrend beeinflussen Alexa-Entwicklung

Wir haben uns gefragt: Wer steckt hinter der Alexa-Sprachsoftware und woher stammen die Inspirationen für neue Funktionen? Antworten darauf gab uns Dr. Philipp Berger, Country Manager Amazon Alexa im Gespräch mit David Wulf, Leiter Portal bei home&smart. Außerdem verrät er, welche speziellen Sonderfeatures nur für den deutschen Markt entwickelt wurden und mit welchen kulturellen und technischen Herausforderungen Alexa auch in Zukunft noch zu kämpfen hat.

David Wulf hat Philipp Berger zu seinen Visionen in Bezug auf die Alexa-Entwicklung befragt

Neue Features machen Echo-Lautsprecher zur Soundanlage

David Wulf: Hallo, Herr Berger! Beginnen wir mit einer Frage zu Ihrer Tätigkeit: Was ist denn eigentlich Ihre konkrete Aufgabe bei Amazon?

Philipp Berger: Ich leite das Team bei Amazon, was sich um die Weiterentwicklung des Cloud-basierten Sprachdienstes Alexa sowie um die Echo Hardware Geräte kümmert.

Wulf: Wir haben ja in den letzten Wochen eine ganze Reihe an neuen Amazon Echo Produkten kennen gelernt. Was ist denn dein persönlicher Favorit?

Berger: Das ist tatsächlich sehr schwer zu sagen, denn das sind ja eine ganze Reihe an tollen Geräten. Wenn ich mich auf ein Gerät festlegen müsste, wäre das glaube ich der neue Echo Show. Ich finde den Display sowie den Sound einfach gut. Wenn ich mehrere wählen dürfte, würde meine Wahl auch auf den Subwoofer Echo Sub fallen, weil man vorhandene Echo Geräte damit zu einem 2.1 System ergänzen kann und das Echo-Sound-Erlebnis in Summe eine große Aufwertung erfährt.

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Wulf: Amazon hat ja aber nicht nur die Audio-Hardware der Echos sehr verbessert, sondern vor allem auch die Funktionen in diesem Bereich weiter ausgebaut. Was erwartet uns da denn genau?

Berger: Hier gibt es vor allem zwei Funktionen, die zu erwähnen sind. Das eine nennt sich Stereo Pairing, bei dem mehrere baugleiche Echos zu einem Stereo Paar zusammengeschlossen werden können. Damit können dann darüber hinaus auch 1.1 oder 2.1 Systeme in Verbindung mit dem Echo Sub realisiert werden. Und dann ist ja noch das ganze Multiroom Erlebnis, bei der man mehrere Echo Geräte und Alexa kompatible Lautsprecher in unterschiedliche Gruppen zusammenschließen kann. Damit ist es möglich Musik auf mehreren Lautsprechern sowohl in einzelnen Räumen als auch in der ganzen Wohnung abzuspielen. Eine Neuerung hierbei ist, dass man externe Lautsprecher per Bluetooth in die Multiroom Gruppen einbinden kann. Auch Drittanbieter können Lautsprecher kompatibel zu diesen Multiroom Gruppen machen, unter anderem hat Harman Kardon Lösungen bereits implementiert. Und schließlich ist es auch möglich, die eben erwähnten Stereo Paare in Multiroom Gruppen zu integrieren.

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Die Alexa-Entwickler sehen schon heute die Bedürfnisse von morgen

Wulf: Das sind ja eine ganze Menge an neuen Features. Aber wie kommen Sie und Ihr Team denn eigentlich darauf, genau diese Features zu entwickeln?

Berger: Hier gibt es natürlich mehrere Kanäle. Zum einen pflegen wir einen intensiven Austausch mit Echo-Besitzern, betreiben Marktforschung und haben natürlich auch selbst als Power-User unserer Geräte einige Ideen. Zudem gibt es ja inzwischen auch eine große Entwickler-Gemeinschaft, die mit ihren Alexa Skills die Funktionen von Alexa ständig erweitern. Und dazu kommen dann noch die vielen Hersteller, welche ihre Geräte Alexa kompatibel machen und somit den Funktionsumfang von Alexa für viele weitere Anwendungen erweitern. Bei Amazon verfolgen wir letztendlich aber immer das Prinzip „think backwards from the customer”. Wir starten Innovation deshalb immer aus Perspektive des Kunden. Eine besondere Herausforderung hierbei ist, dass die Kunden oftmals gar nicht wissen, welche Features sie eigentlich haben möchten. Denn Sprachsteuerung ist ja noch ein relativ neues Feld. Man muss es ihnen dann durchaus auch erstmal zeigen und sie danach gezielt nach ihrer Meinung fragen. Dies ist dann mitunter auch nicht immer so einfach, aber es eröffnet natürlich auch eine Menge an Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.

Wulf: Wie läuft denn anschließend die Umsetzung eines neuen Alexa Features bei Amazon ab?

Berger: Üblicherweise wird dann zu Beginn ein sogenanntes fiktives Press Release verfasst, worin beschrieben ist, was das neue Feature beinhalten soll. Dabei geht es gar nicht um technische Spezifikationen, sondern rein um das Anwendererlebnis. Wenn einer Idee dann intern bei Amazon zugestimmt wurde, wird ein Team gebildet, was sich dann ausschließlich und exklusiv um die Detaillierung und Umsetzung des Features kümmert. Dadurch ist es uns möglich, eine ganze Reihe von Features parallel zu entwickeln. Diese Teams sind übrigens global verteilt, denn schließlich gibt es Features, die sich auch von Land zu Land unterscheiden.

Wulf: Warum dauert es denn eigentlich dann immer etwas länger, bis Features von Alexa auch in Deutschland verfügbar werden?

Berger: Das liegt vor allem daran, dass der Release eines Sprachfeatures von Alexa etwas schwieriger ist, wie der einer App beispielsweise. Hier müsste ich ja nur alle Wörter austauschen, während die Logik der Buttons in jeder länderspezifischen Version gleich bleibt. Bei Sprache ist das nicht so. Hier muss man die Features tatsächlich ein Stück weit individuell entwickeln. So haben Wörter eine andere Bedeutung, so ist das deutsche Wort Nachrichten im englischen gleich 3 Bedeutungen „news“, „message“ oder „notification“. Fordert ein deutscher Nutzer also Nachrichten von Alexa an, so ist zu unterscheiden, ob damit die Flash Briefing Skills, die Drop-in Sprachnachrichten oder die Erinnerung vom Abfallkalender gemeint ist. Jedes neue Feature muss also genau erkennen können, was der Nutzer will und das kann ganz unterschiedlich kompliziert je nach Sprache sein. Jetzt kann man natürlich ein Feature zuerst für jede Sprache entwickeln und dann gesammelt veröffentlichen. Jedoch würde das zu langen Wartezeiten führen. Amazon hat sich aber dafür entschlossen, diese Features schneller verfügbar zu machen und bemüht sich darum, nach dem englischen Release auch schnellst möglichst weitere Länder mit den neuen Features zu versorgen.

 

Deutsche Alexa-Nutzer sind wissbegierig und haben ganz spezielle Wünsche 

Wulf: Was ist denn ein typisches deutsches Feature, das in den anderen Ländern nicht so genutzt wird?

Berger: Ein großer länderspezifischer Unterschied zwischen Deutschland und dem Rest der Welt sind vor allem Wissensfragen. Das geht los mit solch banalen Dingen, dass natürlich die deutsche Bundeskanzlerin anders heißt als der amerikanische Präsident. Und natürlich haben wir in Deutschland mit Fußball eine andere Sport-Vorliebe als Amerikaner mit Football. Mit Amazon Music haben wir in Deutschland sogar eine Live-Berichterstattung über die Fußball Bundesliga umgesetzt, was einzigartig auf der Welt ist. Bei den Alexa Skills ist es unter anderem der Abfallkalender, der besonders viel genutzt wird, da für uns Deutsche Recycling ein wichtiges Thema ist. Und schließlich sind Hörspiele etwas, die in den USA als Kategorie überhaupt nicht existiert. Den amerikanischen Kollegen erkläre ich das immer als Mischung aus Podcast und Musikalbum.

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Wulf: Haben wir in Deutschland auch besondere Eigenarten, wie wir mit Alexa interagieren?

Berger: Durch die unterschiedliche Sprache ergeben sich natürlich auch ganz andere Interaktionen mit Alexa. Fragen auf Englisch werden von den Alexa-Nutzern durchaus etwas wortreicher gestellt, Deutsche fragen eher ziemlich direkt und knapp. Wir haben natürlich auch eine ganz andere Art von Humor in Deutschland. Deshalb hat Alexa auch für jedes Land auf der Welt eine eigene Persönlichkeit, um auf solche Unterschiede zu reagieren. An diesen Eigenschaften arbeitet tatsächlich auch das lokale Team vor Ort, um Alexa möglichst authentisch zu gestalten. Das geht von Themen wie der Zensur von Wörtern im Englischen, zum Beispiel wird in Amerika das Wort „Nippel“ durch ein „beep“ ersetzt bis hin zum Umgang mit Fragen, die in Deutschland den Nationalsozialismus betreffen. In Deutschland werden diese Fragen wesentlich reflektierter von Alexa beantwortet.

Diese Herausforderungen muss Alexa in Zukunft meistern

Wulf: Was erwartet uns denn zukünftig oder vielleicht noch bis Weihnachten bei Alexa?

Berger: Alexa wird konsequent weiterentwickelt und es werden fast wöchentlich neue Features von Alexa veröffentlicht. Konkreteres kann ich aber leider nicht sagen. Aber auch zukünftig wird die Feature-Entwicklung und damit meine Arbeit genauso spannend und schwierig zugleich sein. Denn die Nutzer sind unheimlich anspruchsvoll, sie sind es ja gewohnt in ihrer natürlichen Sprache immer genau eine passende Antwort zu erhalten. Aber genau das ist die Herausforderung für Alexa: sie muss unheimlich viele individuelle Sprachbefehle verstehen und umsetzen können. Und außerdem wird von Alexa gleich eine richtige Antwort erwartet. Auch das unterscheidet die Sprachsuche von einer Suche im Internet, wo ich es ja gewohnt bin, mit einem Suchbegriff nicht sofort beim ersten Mal das richtige Ergebnis zu finden.

Wulf: Herr Berger, vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

Mit jedem Echo Geräten lassen sich beliebig viele Alexa-Skills nutzen

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homeandsmart Redaktion David Wulf

Leitet nach dem Studium Wirtschaftsingenieurwesen und Praktika in der Energiewirtschaft das Portal bei homeandsmart.de. Mit dem ersten Kaffee bereits die neuesten Marktentwicklungen und Nachrichten rund ums Smart Home. Spinnt die Fäden im Hintergrund und schreibt an vorderster Front – immer die Frage im Kopf: Wie sieht das Leben von morgen aus?